Das Islandpferd

Das Islandpferd, auch Isländer genannt, ist eine aus Island stammende, vielseitige und robuste Pferderasse, die dank ihres kräftigen Körperbaus auch von Erwachsenen geritten werden kann.

Islandpferde gehören zu den Gangpferden, da die meisten von ihnen nicht nur über die Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp verfügen, sondern zusätzlich über die genetisch fixierten Gangarten Tölt und/oder Pass. Als „Islandpferd“ anerkannt werden nur reingezogene Tiere, ohne Fremdbluteinkreuzung, deren Abstammung lückenlos bis nach Island zurückzuverfolgen ist. In Island ist die Einfuhr von Pferden verboten. Daher können Pferde, die in Island geboren wurden und einmal die Insel verlassen haben, nicht wieder nach Island eingeführt werden.

 

Neben den bekannten Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen heute die meisten Isländer die Gangarten Tölt und Pass. Das Gangspektrum von Islandpferden bewegt sich in vielen Variationen vom Viergänger zum Fünfgänger, wobei das heute häufig erreichte Zuchtziel ein in allen Gängen leicht zu reitendes Islandpferd mit ausdrucksvollen Bewegungen ist.  Das Gangreiten ist anspruchsvoll und erfordert auch vom Reiter sehr gute reiterliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die nur durch gezielte Ausbildung auf Gangpferden erreicht werden können. Nur ein gut ausgebildeter Reiter ist in der Lage, ein Islandpferd entsprechend seiner Ganganlage optimal zu reiten.

Der Tölt:

Die Fußfolge des Tölts entspricht der des Schrittes und ist ein klarer Viertakt. Anders als im Schritt, wo sich Zwei- und Dreibeinstützen abwechseln, hat ein töltendes Pferd abwechselnd nur ein oder zwei Hufe am Boden. Durch die fehlende Sprungphase sitzt der Reiter auf einem Tölter nahezu erschütterungsfrei oder schwingt, nahezu wie in einem Sessel, bei Pferden mit hoher Bewegung, angenehm auf und ab. Das Pferd geht unter dem Reiter aufgerichtet und „tanzt“ aus der Schulter. Tölt kann – je nach Gangveranlagung und Ausbildungsstand des Pferdes – fast von Schrittgeschwindigkeit bis hin zur Galoppgeschwindigkeit geritten werden (Renntölt).  Die Gangart Tölt ist für Reiter sehr angenehm und hat wesentlich zur Beliebtheit und Verbreitung des Islandpferdes beigetragen.

Uli Reber auf Blíka vom Lipperthof
Uli Reber auf Blíka vom Lipperthof

Der Rennpass: 

Einige Islandpferde beherrschen über den Tölt hinaus den Passgang, der normalerweise nur im Renntempo geritten wird. Das Islandpferd läuft dabei in gestreckter Haltung von einer Lateralen auf die andere. Als fehlerhaft wird der sogenannte „Schweinepass“ angesehen, dem die für den Rennpass typische Flugphase zwischen dem Auffußen der lateralen Beinpaare fehlt. Rennpass gilt als „Königsgangart“ des Islandpferdes, besonders gute Fünfgangpferde werden auch als „Gæðingur“ bezeichnet.

Die Zuchtgeschichte:

Das Pferde-Importverbot gilt seit 1909. Vor allem Wallache anderer Rassen, z. B. von Fjordpferden, fanden zuvor als Arbeitspferde den Weg nach Island. Die heutige Rasse Islandpferd entwickelte sich aus der damals vorhandenen, gemischten Population nordischer Pony- und mitteleuropäischer Pferderassen. Historische Texte deuten darauf hin, dass jedoch auch einzelne Vollblutpferde in Island vererbten.  Isländische Bauern züchten bis heute hauptsächlich Pferde und Schafe. Große Teile der Herden weiden im Sommer ohne Aufsicht im Hochland (eine Form des mobilen Pastoralismus), bevor sie im September zu Pferd wieder zurückgetrieben werden. Auch die Pferde dienten von je her der Fleischgewinnung. Nur etwa 40 Prozent der gezüchteten Pferde werden in der Zucht oder als Reitpferde eingesetzt. Während es im grasreichen Südland von Island von je her regelrechte Fleischpferdezuchten gab und gibt, haben sich die Bauern in anderen Regionen auf die Zucht von Reitpferden spezialisiert, wobei hart selektiert wird. Vor allem im Norden Islands wird mehr Wert auf den Reitsport gelegt. Die Pferde aus dieser Region sind auch viel schmaler und eleganter gezüchtet als die etwas derberen aus dem Süden.  Bis etwa 1926 wurden Islandpferde in Island als Reit- und Lasttiere benötigt, weil es noch kein Straßennetz gab. Dieser Leistung gedachten die Isländer, als sie in Reykjavik ihrem Lastpferd ein Denkmal setzten. Die isländische Pferdezucht erlebte anschließend einen Niedergang. Ende der vierziger Jahre wurde jedoch die Wende geschafft und das nahezu ausschließliche Zuchtziel „Reitpferd“ etablierte sich. In den 50er und 60er Jahren erlebte das Islandpferd einen Export-Boom. Hauptmarkt war Deutschland, wo der Isländer als Freizeitpferd besondere Beliebtheit gewann, woran die „Immenhof“-Filmserie der Autorin Ursula Bruns, spätere Herausgeberin der Fachzeitschrift „Pony Post/ Freizeit im Sattel“, maßgeblich beteiligt war. Später entwickelte sich die Priorität der Zucht und Reiterei in Deutschland hin zu dem Gangpferd, das wir heute kennen. Die Zielsetzung eines vielseitigen, kompakt gebauten Geländereitpferdes „für die ganze Familie“ trat demgegenüber in den Hintergrund, woran auch die steigende Preisentwicklung beteiligt war. 1967 wurde der Bundesverband IPZV e.V. gegründet. Bekannte deutsche Reiter wie Walter Feldmann und Hans Georg Gundlach entwickelten aus den Grundlagen der Dressurreiterei das Gangreiten und trugen das Wissen darum auch nach Island zurück.  Heute ist Deutschland nach Island das größte Zucht- und Exportland für Islandpferde.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Islandpferd aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


by Felix Reiser

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